Das Ereignis in Kazan ist das Spiegelbild der deutschen Gesellschaft und Politik. Der Wert der Heimat, zunächst die Region und dann das ganze Deutschland, ist verloren gegangen. Auch wenn Deutschland des beste Europäer sein will, dann ist diese Rolle nur zu spielen, wenn Deutschland Konturen behält und diese zeigt, um so dieses Europa zu gestalten. In Beliebigkeit und Willenlosigkeit aber ist nichts zu erreichen. Anerkennung geht durch Überzeugung, nicht Unterwerfung.

Lehrstunde in Kazan

Die vielbesprochene Zerrissenheit, mit der sich die deutsche Fußballmannschaft am 27.6.2018 in Kazan präsentierte, ist das Abbild der deutschen Gesellschaft. Es wurde klar, daß ein deutscher Paß nicht ausreicht, um eine Identifikation mit Deutschland zu bewirken und auf dieser Grundlage für die Ehre des Vaterlands einzustehen, um nicht zu sagen, für dieseszu kämpfen. Es ist sicherlich gut, daß man spielerisch den Wettbewerb sucht und diesen friedlich zum Ende bringt. Aber warum in einen Wettbewerb einzutreten, wenn man nicht gewinnen will?

Es schien so, daß die deutsche Fußballmannschaft nicht wußte, für was sie auf dem Platz stand. Aber deutlich sichtbar war, daß die Motivation fehlte. Und wofür sollte diese Mannschaft motiviert sein, wenn nicht für die Ehre des Vaterlands sich einzusetzen? Kann man aber erwarten, daßvon Deutschen, die den Fußball als Geschäft betreiben, sich hier und da gegen Sold anbieten und dabei für anderes sich einsetzen, für sich und den Sieg ihres Team, allenfalls für ein Heimpublikum, das zahlen soll und gute Unterhaltung dafür verlangt? Auch wenn diese Teams sich nach einer Stadt benennen, so findet doch kaum eine Identifikation mit dieser statt. Wo und wofür man spielt, ist eine Frage des Geschäfts. Und so spielt eben ein Deutscher vielfach im Ausland, ist häufig auch als Kind von Einwanderern anders kulturell geprägt und wird als gut bezahlter Vagabund auch von anderen Kulturen erfasst. Das ist die positive Seite. Dabei aber geht die Verbindung mit Deutschland ein Stück weit verloren, vor allem, wenn schon die Wurzeln in andere Kulturen zurückreichen. Gerade derjenige, der in einer solchen Welt erfolgreich ist, wird sich immer weniger mit dem identifizieren, was seine Heimat sein könnte, schon wenn diese Heimat größer als Deutschland ist. Fehlt die Heimat, dann fehlt auch die Bereitschaft, diese Heimat zu vertreten und gut zu verkaufen. Der Wille dazu wurde zuletzt schmerzlich vermisst, von denen, die ihre Heimat noch als wertvoll betrachten.

Das Ereignis in Kazan ist das Spiegelbild der deutschen Gesellschaft und Politik. Der Wert der Heimat, zunächst die Region und dann das ganze Deutschland, ist verloren gegangen. Auch wenn Deutschland des beste Europäer sein will, dann ist diese Rolle nur zu spielen, wenn Deutschland Konturen behält und diese zeigt, um so dieses Europa zu gestalten. In Beliebigkeit und Willenlosigkeit aber ist nichts zu erreichen. Anerkennung geht durch Überzeugung, nicht Unterwerfung.

 

Stephan Werhahn Ph.D., Manfred Höfle, Dr. Ulrich Horstmann, Dr. Wolfgang P. Warth

Institut Europa der Marktwirtschaften e.V.