Protest gegen Populismus

Vor zwei Jahren, nach der Wahl von Donald Trump und dem Brexit-Votum der Briten, hat sich die Bürgerbewegung „Pulse of Europe“ gegründet. Die Sorge über den Vormarsch der Rechtspopulisten und die Angst vor dem Zerfall der EU ist für Mitbegründer Daniel Röder nicht kleiner geworden. Gestern verwies er bei der Kundgebung auf dem Goetheplatz vor mehr als 350 Demonstranten auf Steve Bannon. Der frühere Berater des amerikanischen Präsidenten Donald Trump kämpfe dafür, dass bei der Europawahl 2019 die populistischen Parteien ein Drittel der Abgeordneten stellen könnten. „Dem müssen wir Einhalt gebieten.“ Röder rief dazu auf, sich für eine hohe Wahlbeteiligung einzusetzen und proeuropäische Parteien zu unterstützen.

Als gutes Zeichen für Europa wertete die Politikwissenschaftlerin Sandra Seubert von der Goethe-Universität die Ergebnisse jüngerer Studien. Demnach sei die Stimmung der Bürger deutlich europafreundlicher, als sie oft dargestellt werde. Es werde viel über Europaskepsis geredet, die Studien aber zeigten, dass eine knappe Mehrheit der Bevölkerung bereit sei, ärmere Länder wie Griechenland zu unterstützen, sagte Seubert. Sie machte deutlich, dass die politische Gründung der europäischen Union noch ausstehe und die „Unwucht zwischen der wirtschaftlichen und der sozialen Union überwunden werden muss“.

Zuvor hatte Theatermacher Willy Praml sich für die Gründung einer „Europäischen Republik“ ausgesprochen, in der nicht mehr Nationalstaaten, sondern Regionen eine Rolle spielen sollten. Zusammen mit Michael Quast beteiligt er sich am nächsten Samstag, 100Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, am „European Balcony Project“. An Theaterfassaden und anderen öffentlichen Gebäuden – in Frankfurt am Römerbalkon – wird die Europaflagge gehisst und die „Europäische Republik“ ausgerufen. cp.