Die Bundesregierung muss im Verbund mit seinen europäischen Partnern deutlich kompetenter agieren.
In letzter Zeit haben uns einige Meldungen aufgeschreckt
- FAZ: Berlin überrascht Paris mit Aus für Kampfflugzeugprojekt
- Spiegel: Pistorius will Fregatten-Projekt F126 beenden
- Tagesschau: Pistorius stoppt Fregatten-Pläne-„Können wir uns nicht leisten“
- Handelsblatt: Panzer-Deal perfekt – Bund steigt mit 40 Prozent bei KNDS ein
- Das europäische Kampfflugzeugprojekt FCAS ist gescheitert.
- Das Fregatten-Projekt F126 wird beendet.
- Der Bund beteiligt sich an dem Panzerbauer KNDS.
Angesichts der aktuellen Bedrohungslage ist ein Scheitern von Verteidigungsgroßprojekten mit langjähriger Vorlaufzeit fatal.
Zu 1: Für das geplante Kampfflugzeug FCAS gibt es noch keine offiziell bestätigte Alternative. Die Bundesregierung sondiert noch, während Frankreich das neue Flugzeug souverän allein baut. So sieht Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin das Aus auch nicht als Niederlage, sondern als Beweis industrieller Stärke ihres Landes. Die französische Industrie sei „derzeit das einzige Team in Europa, das in der Lage ist, ein Kampfflugzeug völlig autonom zu entwickeln und zu produzieren.“ 1
Zu 2: Bei dem Fregattenprojekt wurden angeblich bereits 2,3 – 2,4 Mrd. Euro Steuerzahlergeld in den Sand gesetzt. Das kleine Schiff Meko A-200 von TKMS soll alternativ gebaut werden. 2
Zu 3: Das sogenannte MGCS (Main Ground Combat System) Projekt läuft seit 2012 und steht vor einem möglichen Aus. 3 Der Panzer MGCS wird voraussichtlich erst in den 2040er-Jahren zur Verfügung stehen. Frankreichs Verteidigungsministerin Catherine Vautrin plädiert für eine Zwischenlösung: „Der Panzer der Zukunft hat sich um zehn Jahre verzögert. Wir können nicht so lange warten“. Frankreich präsentierte in Paris einen neuen sog. Capint (Capacité Intermédiaire)-Panzer. Mit diesem rein französischen Projekt basierend auf deutscher Leopard-Technik (Basis ist das Leopard 2 Fahrgestell) soll der Leclerc-Panzer abgelöst werden. 4
Der bisher als Zwischenlösung ins Spiel gebrachte sog. Leopard 3 oder der von Rheinmetall vorgestellte Panther könnten als deutsche Zwischenlösungen weiterverfolgt werden. Damit ist noch mehr Systemvielfalt im Spiel und nur neues Chaos geschaffen worden. 5
Nationale Egoismen dominieren. So wird das Steuergeld verprasst und die Zukunft Westeuropas, die gerade jetzt (und nicht erst in den 2040er Jahren!) eine glaubwürdige Verteidigung benötigt, verspielt.
Vor diesem Hintergrund sollte es erst recht keine Staatsbeteiligungen an Rüstungsunternehmen geben. Die Bundesregierung plant sogar einen Anteilskauf von 40% beim Rüstungsunternehmen KNDS (KMW Nexter Defense Systems, KMW steht für Krauss-Maffei Wegmann; Anmerkung: KMW baute und entwickelte mit Rheinmetall den inländischen Leopard-Panzer. Wesentliche Produkte von KNDS sind der deutsche Panzer Leopard und der französische Konkurrenztank Leclerc). Die Bundesregierung will so mit ihrem Nato-Partner Frankreich die europäische Rüstungsproduktion stärken. 6 Bei einem 30-prozentigen Einstieg bestünde aus SPD-Sicht die Gefahr, nicht auf Augenhöhe mit Frankreich zu sein. 7 Der französische Staat hält derzeit 50% an KNDS.
Der vorgesehene Einstieg des Bundes ist u.E. Wahnsinn! Durch die nationalen Egoismen und den Staatseinfluss geschwächt kann auch der angestrebte Börsengang kaum erfolgreich sein. 8
Eine staatlich finanzierte Konkurrenz zum Heerestechnikanbieter Rheinmetall droht. Von KMW entwickelte Technologie wird, wie sich gerade zeigt, für den Leclerc-Panzer genutzt. Er könnte gut vermarktbar sein und Kannibalisierung schaffen. Der Leopard, ein möglicher neuer Panzer Panther von Rheinmetall 9 oder ein Leopard 3 würden vom französischen Leclerc-Nachfolgepanzer „Capint“ werden weniger Abnehmer finden. Nicht das bessere Produkt wird umgesetzt, sondern das politisch angestrebte, das Beschäftigung im eigenen Land sichert. Das ist Industriepolitik pur. Der ohnehin kleine Markt wird gleichzeitig weiter zersplittert. Die Vielfalt steigt und damit die Wartungskosten.
In der Rüstungsindustrie hat der Staat als Eigner nichts zu suchen. Das ist schon ordnungspolitisch fatal. Es wäre auch ineffizient, wenn der Abnehmer auch Eigner ist und damit planwirtschaftlich eingreift.
Rüstungskooperationen mit Frankreich waren durch vielfältige Interventionen von öffentlichen Stellen und unternehmerischen Egoismen seit vielen Jahren schwierig. Das was mit Airbus im Zivilflugzeugbau gelang, ist bei der Rüstung an nationalen Egoismen gescheitert.
Was ist zu tun? Der Krieg in der Ukraine zeigt den Weg. Alte und überkommene Großsysteme (schwere Panzer, Kampfflugzeuge/Bomber) sollten staatlich nicht mehr gefördert werden.
Mit Innovationskraft werden kleine Unternehmen aufsteigen können, wenn man sie lässt. Das geht auch ohne Förderung. Der neue elektronische Krieg mit Drohnen, Kampfrobotern muss von den traditionsbelasteten Militärleuten noch gelernt werden. Von Politikern sowieso. Mit solchen Manövern wie der geplanten Notstaatsbeteiligung „auf Augenhöhe“ an KNDS könnte auch der SPD-Minister Boris Pistorius scheitern. So werden wir bis 2029 nicht „kriegstüchtig“10 sein (wobei ein solcher Ausdruck peinlich und unnötig aggressiv ist, es reicht „verteidigungsfähig“ zu sein. 11
Wir brauchen mehr Wettbewerb und eine europäische Verteidigungsagentur. Das Thema lässt uns seit 2023 nicht mehr los. Damals veröffentlichten wir ‚Verteidigung Europas neu denken – Rethinking Europe’s defence‘
Wir plädieren weiter für eine europäische Agentur für militärische Beschaffung, eine Agency for joint european military supply‘ AJEMS. Die Gründe sind:
–Politisch: Eine gemeinsame Beschaffung fördert eine klare gemeinsame politische Haltung West- und Mitteleuropas in Konfliktsituationen.
–Militärisch: Statt der Bildung von Militärchampions auch in Kleinstaaten mit nationalem Schnick-Schnack müssen für jede Waffengattung technisch einheitliche Geräte (bessere Interoperabilität) entwickelt und einsatzbereit sind.
–Wirtschaftlich: Wenn die gemeinsamen Beschaffungen die Stückzahlen erhöht, verringert sich der Anschaffungspreis.
Das wäre im Sinne der Steuerzahler und wird, davon sind wir überzeugt, auch den Willen unterstreichen, Europa nicht erneut zu spalten. Die einseitige Industriepolitik Frankreichs sollte kein Vorbild für das Agieren der Bundesregierung sein. Die deutsche Industrie ist auch im Rüstungsbereich traditionell privatwirtschaftlich. Das sollte so bleiben. Eine Staatsbeteiligung an Rüstungsunternehmen ist nicht nur ethisch verwerflich, mit der Politisierung werden Ineffizienzen zu Lasten unserer Sicherheit und der Steuerzahler geschaffen.
Euer IEM-Team
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1https://www.merkur.de/wirtschaft/dassault-vs-airbus-frankreich-entwickelt-eigenen-kampfjet-zr-94349201.html, abgerufen am 26.06.2026
2https://www.welt.de/politik/deutschland/article6a3b1060e880869d9f53493b/f126-fregatte-pistorius-beendet-bau-von-neuem-kampfschiff.html, abgerufen am 26.06.2026
3https://www.spiegel.de/wirtschaft/mgcs-rheinmetall-chef-warnt-vor-scheitern-des-deutsch-franzoesischen-panzerprojekts-a-a4eca942-f744-49fe-8f4d-656a963f19d7, abgerufen am 26.06.2026
4https://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/militaer-ruestungskonzern-knds-praesentiert-capint-kampfpanzer/100233182.html, abgerufen am 26.06.2026
5https://www.welt.de/wirtschaft/plus6a325e84e495aff7b5846452/ruestung-die-zersplitterte-panzer-zukunft-wie-europa-seinen-zukunftspanzer-aufs-spiel-setzt.html, abgerufen am 26.06.2026
6https://apnews.com/article/germany-france-knds-defense-tanks-stake-c90522899577cfbb597e61e3df982711,
abgerufen am 26.06.2026
7https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/ruestung-panzer-deal-perfekt-bund-steigt-mit-40prozent-bei-knds-ein/100226720.html, abgerufen am 26.06.2026
8 https://www.zeit.de/wirtschaft/2026-06/knds-ruestungskonzern-boersengang-aktie-bund-gxe, abgerufen am 26.06.2026
9https://www.rheinmetall.com/de/produkte/gepanzerte-kettenfahrzeuge/kampfpanzer-panther-kf51, abgerufen am 26.06.2026
10https://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/2024/kw23-de-regierungsbefragung-1002264, abgerufen am 26.06.2026
11vgl.: https://taz.de/Sprache-in-Zeiten-des-Kriegs-/!6101575/, abgerufen am 26.06.2026



