IEM Podcast – Episode 8: Naher und Mittlerer Osten

Naher und Mittlerer Osten

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Naher und Mittlerer Osten

Gespräch mit dem Autor des Buches „die größten geopolitischen Gefahren“ von Egon Minar 

Arbeit an Lösungen und Strategien des IEM

Das Schlusswort der letzten Episode 7 über Israel und Palästina lautete sinngemäß:

Wir hoffen, dass dieser Konflikt noch in diesem Jahrhundert bis 2100 endgültig gelöst und die ganze Region zur Zufriedenheit und Glück für alle Menschen im Nahen Osten befriedet werden kann.

Dieser Satz gilt genauso auch für alle weiteren 9 Gefahrenherde des Nahen und Mittleren Ostens (NMO), die in dieser Episode 8 beschrieben werden:

  1. Konflikte zwischen Israel und dem Iran,
  2. Glaubenskämpfe zwischen Sunniten und Schiiten
  3. Die Krisenzone Persischer Golf
  4. Der Bürgerkrieg in Syrien
  5. Der Krisenherd Afghanistan und die Taliban
  6. Saudi-Arabien und seine Konflikte mit Nachbarstaaten
  7. Der Bürgerkrieg im Jemen
  8. Der Bürgerkrieg im Libanon sowie
  9. Die Kurden-Konflikte

Ad 1)   größte Gefahr für massive militärische Aktivitäten, im Zentrum des Streits stehen die Zwistigkeiten um das mögliche Atomprogramm im Iran, hier stehen sich zwei hochgerüstete, unberechenbare und zu allem entschlossene Parteien gegenüber. Gefahr eines Stellvertreterkrieges zwischen Israel/USA/Saudi versus Iran/Russland/China

Ad 2) Nach Ansicht vieler Experten haben die heutigen Konflikte zwischen Sunniten und Schiiten weniger mit religiösen Fragen zu tun als mit politischen Differenzen. Es geht mehr um Macht, politische Vormachtstellung in dieser Region und in der arabischen Welt, insbesondere zwischen Iran und Saudi-Arabien.  

Ad 3) Es geht wegen der Rohstoff-Vorkommen um ein paar kleine Inseln an der Mündung der Straße von Hormus zwischen Iran und VAE, Zwistigkeiten zwischen Bahrein und Katar, sowie um den langanhaltenden Konflikt zwischen Irak und Kuwait wegen einiger strategisch günstig gelegener Inseln im Flussdelta von Euphrat und Tigris.

Ad 4) Syrien ist etwa halb so groß wie Deutschland, im Jahre 2010 lebten dort ca. 21 Mio. Menschen, seit dem Rückzug der USA begann 2015 die russische Intervention mit militärischer Unterstützung der Regierung Assad. Dies löste danach gewaltige Flüchtlingsbewegungen aus: ca. 7 Mio. in Nachbarländer und nach Europa, weitere ca. 6 Mio. Syrer sind innerhalb Syriens auf der Flucht. In Syrien können laut WHO über 12 Mio. Menschen nicht ausreichend mit Lebensmitteln versorgt werden.

Ad 5) Afghanistan ist ein zentralasiatischer Binnenstaat, etwa so groß wie Frankreich mit 1980 nur 13 Mio. Menschen, heute etwa 42 Mio. mit einer Geburtenrate von 4,2, die höchste außerhalb Afrikas, 99,9% muslimisch. Es war lange unter britischer Kolonialherrschaft, von 1933-1973 ein konstitutionelles Königreich, dann ab 1978 – 1989 mit russischer militärischer Intervention eine kommunistische Volksrepublik, 1994 übernahmen die Taliban mit einem islamischen Staat die Macht, 2001-2020 intervenierte die USA/NATO und seit 2021 zogen sich alle ausländische Soldaten binnen 14 Monaten komplett zurück und überließen wieder den Taliban das Land. Die Lage der Bevölkerung und insbesondere der Frauen hat sich seither immer mehr verschlechtert.

Ad 6) Das Königreich Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie, so in der Grundordnung von 1992 festgeschrieben. 73% der ca. 36 Mio. Menschen im flächenmäßig 13. größten Land der Erde folgen der Staatsreligion des Wahhabismus, eine fundamentalistische, islamisch-konservative Ausprägung des Sunnismus. Die prekäre Sicherheitslage Saudi-Arabiens zeigte sich im 2. Golfkrieg 1990, nachdem Irak Kuwait besetzte: die Saudis mussten ein Bündnis mit den USA und anderen westlichen Staaten eingehen, um sich selbst zu schützen und die Iraker aus Kuwait zu vertreiben. Dafür übernahm das Königreich ca. 40% der Kriegskosten. Konflikte um Macht und Einfluss gibt es hauptsächlich mit dem Iran, aber auch mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und dem Emirat Katar (nach Pro-Kopf-BIP das reichste Land der Erde), dessen Haltung ist „Technologie-Import und außenpolitischer Pragmatismus statt religiöser Dogmen“.

Ad 7) Die Republik Jemen ist so groß wie Frankreich mit ca. 33 Mio. Menschen, ein sehr armes und vom Stellvertreterkrieg (Saudi+8 weitere Staaten gegen Iran/Huthi) zerrüttetes und zerstörtes Land. Auf Grund dieses Krieges zählt Jemen gegenwärtig etwa 4 Mio. Binnen-Flüchtlinge. 70% der Bevölkerung sind auf internationale Hilfen zum Überleben angewiesen. Seit 2000 wuchs die Bevölkerung um nahezu 70% bei einer Geburtenrate von 3,6 und einem Altersdurchschnitt von 20,2 Jahren (Weltdurchschnitt 31 Jahre).

Ad 8) Die Libanesische Republik umfasst flächenmäßig ca. 70% von Schleswig-Holstein mit ca. 6 Mio. Menschen, davon ca. 1,5 Mio. syrische Flüchtende (25%). Es gibt 18 anerkannte Religionsgemeinschaften, in den fünfziger Jahren bildeten die Christen die Mehrheit (über 50%), heute dagegen unter 40%. Libanon galt als die „Schweiz des Orients“, Beirut als „Paris des Nahen Ostens“. Nach Ankunft der PLO-Führung 1970 wurde der Libanon Schauplatz von Konflikten zwischen linker pro-palästinensischer und rechter anti-palästinensischer Parteimilizen. Von 1975-1990 herrschte Bürgerkrieg, 1982 marschierte die israelische Armee im Südlibanon ein und zwang die PLO zum vollständigen Rückzug aus dem Libanon. Heute unterstützt der Iran die Hisbollah mit Waffenlieferungen im Kampf gegen Israel.

Ad 9) Die Kurden sind ein Volk von ca. 25-30 Mio. Menschen, verteilt auf die Türkei (50%), Iran, Irak und Syrien. Da in allen Ländern, in denen sehr viele Kurden leben, schwierige politische Situationen herrschen, da vor allem die Türkei erbittert hart und repressiv gegen die Kurden (vor allen gegen die PKK als Terroristen) vorgeht, ist eine kurzfristige Lösung der länderübergreifenden Kurden-Konflikte praktisch nicht vorstellbar.

Wenn man alle die in diesen Episoden 7 und 8 beschriebenen 10 Konflikte im Überblick oder einzeln betrachtet, wenn man die Hintergründe dieser Konflikte analysiert, dann erkennt man, dass diese gesamte Region ein riesengroßer Gefahrenherd ist mit enormen Risikofaktoren für den Weltfrieden, weil bildlich gesprochen ein kleiner Funke genügen könnte, um das Pulverfass NMO zur Explosion zu bringen.

Dies ist insbesondere der Fall wegen

  1. des seit Jahrzehnten aufgestauten politischen Hasses gegeneinander und
  2. des religiösen Extremismus, Fundamentalismus und Fanatismus,
  3. der Interdependenzen der Stellvertreterkriege Israel/Saudi + USA und EU versus Iran + Russland/China und weil
  4. eine Eskalation nur schwer mit diplomatischen Mitteln zu vermeiden sein wird.

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