IEM Podcast – Episode 3: Wie können wir einen Atomkrieg verhindern?

Wie können wir einen Atomkrieg verhindern?

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Wie können wir einen Atomkrieg verhindern?

Gespräch mit dem Autor des Buches „Die größten geopolitischen  Gefahren“,  von Egon Minar

Arbeit an Lösungen und Strategien des IEM,
Tagesschau Meldung vom 06.05.2024, s.u.

Unsere Erde könnte mehrfach total zerstört werden.
Atomwaffen haben eine so unglaublich vernichtende Wirkung, dass für die gesamte Menschheit ein irreparabler Schaden entstünde.
Die zerstörerischen Effekte sind u.a.
1. Thermische Strahlung von mehreren 10 Millionen Grad Celsius, die sich in Lichtgeschwindigkeit ausbreitet.
2. Eine Druckwelle, die sich in Sekundenbruchteilen mit Schall-geschwindigkeit hunderte Kilometer ausbreitet und alle Häuser und Einrichtungen zerstört.
3. Radioaktive Strahlung führt zu direkten Schäden in Gewebe und DNA der Menschen,
4. Radioaktiver Niederschlag – Fallout – verseucht jegliches Bodenmaterial über hunderte Kilometer und macht ganze Landstriche ewig unbewohnbar.
5. Der Einsatz mehrerer Atomwaffen führt durch Staub, Ruß und Flächenbrände zu einer Verdunkelung und damit Abkühlung der Erdatmosphäre, sog. Nuklearer Winter. Dies führt zu Ernteausfällen, Hungersnöten und Abbau der Ozonschicht.

Grundsätzlich unterscheidet man strategische und taktische Atomwaffen.
Strategische Atomwaffen verfügen über größere Reichweiten (15.000km),  können von verschiedenen Plattformen aus eingesetzt werden: z.B. Interkontinentalraketen, U-Booten, Langstreckenbombern, Marschflugkörper, etc. und erreichen daher in kurzer Zeit jeden beliebigen Ort auf der Erde.

Taktische Atomwaffen sollen ähnlich wie konventionelle Waffen im Gefecht eingesetzt werden können, allerdings mit wesentlich größerer Zerstörungskraft.
Hier besteht ein besonders großes Risiko, dass sie bei bisher konventionellen Konflikten (Russland/Ukraine, Nah-Ost, Indien/Pakistan, China/Taiwan, Nord/Süd-Korea, etc) eingesetzt werden könnten.
Aktuell siehe dazu die Meldung der Tagesschau vom 06.05.2024, 10:13h:
„Russland will Bereitschaft von Atomstreitkräften testen“
Der russische Präsident Wladimir Putin hat dem Verteidigungsministerium zufolge eine Militärübung angeordnet, in der auch die Bereitschaft der Nuklearstreitkräfte getestet werden soll. Hintergrund sind laut dem Ministerium provokative Drohungen des Westens.

Zu den militärischen Übungen gehören auch die Vorbereitung und der Einsatz von nicht-strategischen Atomwaffen, heißt es. Raketenverbände des südlichen Militärkommandos und der Seestreitkräfte würden teilnehmen.“

Die heutigen Atomstaaten besaßen 2023 weltweit 9.576 einsatzfähige Atomsprengköpfe, + 86 Zuwachs gegenüber 2022. 
Es sind:
Russland 4489 +12,  USA 3708 +0, China 410 +60,
Frankreich 290  +0, Großbritannien 225  +0,
Pakistan 170  +5, Indien 164  +4, Israel 90 +0,
Nordkorea 30  +5,  (Q: SIPRI, Stockholm).

Unsere Vorschläge für Vermeidungsstrategien:

  1. Atomwaffen dürfen nicht weiterverbreitet werden. Durch den Non-Proliferation-Treaty (NPT) von 1970 wird dies verboten und die Verpflichtung zur Abrüstung festgeschrieben. Dies muss auch von allen umgesetzt und von einem UN-Regelwerk sanktioniert werden.
  1. Die friedliche Nutzung der Kernenergie ist erlaubt. Kontrollen und Vor-Ort Inspektionen werden von der IAEO durchgeführt. Diese Kontrollen müssen verstärkt, die Ergebnisse transparent gemacht und Verstöße durch ein UN-Regelwerk bestraft werden.
  2. Alle der bislang 191 Vertragsunterzeichner verpflichten sich, den weitmöglichen Austausch von Ausrüstungen, Material und wissenschaftlichen und technischen Informationen zur friedlichen Nutzung der Kernenergie zu erleichtern. Hier sind technische Regeln zur Missbrauchsverhinderung aufzustellen.
  3. Für die 9 Nicht-Unterzeichner (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien, Indien, Pakistan, Israel, Nord-Korea) müssen dieselben Regeln gelten, damit sie auch sanktioniert werden können oder ein willkürlicher Austritt aus dem NPT-Vertrag – wie Nord-Korea – sinnlos wird.
  4. Die Menschheit sitzt bildlich gesprochen auf einem Pulverfass. Nur die Vernunft und Rationalität der Entscheidungsträger kann eine Katastrophe vermeiden. (Theorie vom „Rational Actor“).
  5. Ein Atomkrieg kann verhindert werden, wenn die furchtbare Wirkung dieser Waffen allen Staatslenkern und Menschen bewusst ist. Dadurch kann Abschreckung funktionieren.
  6. Schon die Drohung mit einem Atomkrieg, die Zerstörung eines Atomkraftwerkes und der angedrohte Einsatz taktischer Atomwaffen („Säbelrasseln“) ist eine versuchte Menschheitsvernichtung.
  7. Die United Nations müssen dazu gerichtliche Regeln aufstellen, die weltweit solche Bedrohungen als Kriegsverbrechen verfolgen und persönlich bestrafen.

    Da es allen Entscheidungsträgern und Menschen der Welt bewusst sein sollte, wie schrecklich die Menschheitsvernichtung sein würde, wirken diese potentiellen Tatsachen äußerst abschreckend.

    „Wer die Bombe zuerst wirft, ist als zweiter tot“.

    Hoffentlich ist die mehrfache Vernichtungs-möglichkeit der Menschheit auch abschreckend genug für Herrn Putin und die anderen Autokraten, die scheinbar keine Rücksicht auf die Menschheit zu nehmen brauchen.

    Das erfordert aber letztlich Vernunft und Rationalität. Solange noch „rational Actor“ regieren, besteht noch eine Chance, das Armageddon der Erde zu vermeiden.

    Wenn wir es aber mit einem Wahnsinnigen am Schalthebel der Atomwaffen zu tun haben, wird es für uns alle extrem kritisch.

    «Wir wollen sogar die Verrückten abschrecken»: Herman Kahn, aufgenommen im Jahr 1968. (NZZ vom 06.05.2024)

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